Erbkrankheiten

Es gibt sechs bekannte genetische Erbkrankheiten bei arabischen Pferden, von denen zwei tödlich sind und weitere zwei zwar nicht immer tödlich sind, aber in der Regel zum Einschläfern führen. Die weiteren Krankheiten können einigermassen behandelt, wenn auch nicht geheilt werden.

Drei der Krankheiten werden autosomal-rezessiv vererbt, was bedeutet, dass das fehlerhafte Gen von beiden Elternteilen vererbt werden muss, damit erkrankte Fohlen zur Welt kommen. Die Eltern sind dann häufig nicht erkrankt, da sie nur eine Kopie des Genes haben, vererben aber diesen Fehler weiter.

Vollblutaraber sind selbstverständlich nicht die einzige Pferderasse, in welcher Erbkrankheiten vorliegen; tödliche und schwere genetische Defekte gibt es auch in vielen anderen Rassen. Wir hoffen, Ihnen mit untenstehenden Informationen einen kurzen Ueberblick zu verschaffen, da es unserer Meinung nach sehr wichtig ist, über solche Dinge informiert zu werden!

  1. Schwerer kombinierter Immundefekt (englisch severe combined immunodeficiency kurz SCID genannt). Das Fohlen wird ohne Immunsystem geboren und stirbt gewöhnlich an einer einfachen Infektion innerhalb der ersten fünf Lebensmonate. Symptome der Erkrankung sind eine stark verringerte Anzahl weisser Blutkörperchen, ein Mangel an bestimmten Antikörpern sowie eine Unterentwicklung der Thymusdrüse und der Lymphknoten. Betroffene Tiere entwickeln sich in den ersten 2-3 Monaten normal, leiden aber zunehmend unter einer stark verminderten, körpereigenen Immunabwehr und verenden in der Regel innerhalb der ersten 4-5 Lebensmonate. Nur Fohlen, die zwei SCID-Erbanlagen tragen, bilden die Krankheit aus. Betroffene Fohlen gehen aus der Verpaarung von zwei klinisch unauffälligen SCID-Einzelgenträgern hervor. Ist nur ein Elternteil SCID-Träger, kann der Defekt auf das Fohlen übertragen werden. Die Krankheit bildet sich dann nicht aus – das Fohlen kann dann aber den Gendefekt weitervererben. Ein Gentest existiert und wird mittlerweile häufig benutzt. In der Schweiz wird der Test obligatorisch vom Stutbuch verlangt.
  2. Zerebelläre Abiotrophie oder Kleinhirnatrophie (englisch cerebellar Abiotrophy, kurz CA genannt),Das betroffene Fohlen wird häufig ohne Symptome geboren, entwickelt aber nach einer gewissen Zeit (ca sechs Wochen nach der Geburt) Koordinationsstörungen, Kopftremor, steht sägebockartig und zeigt weitere Symptome, die mit dem Absterben der Purkinjezellen in der Kleinhirnrinde einhergehen. Die Krankheit wird oft erst erkannt, nachdem das Fohlen in einen Zaun oder gegen einen Baum gerannt ist oder rückwärts überfällt. Manche Pferde zeigen nur wenig Symptome und können ein weitgehend normales Leben führen. Die meisten Pferde werden jedoch eingeschläfert, da die Gefahr zu gross ist, dass sie sich und andere schwer verletzen. Es existiert ein indirekter DNA Test, der nach Markern im Zusammenhang mit CA sucht. Wichtig zu wissen ist, dass wenn ein Pferd „nur“ Träger ist, es ausser des defekten Gens völlig gesund ist und ohne weiteres in Sport und Freizeit eingesetzt werden kann. Diesen Pferden merkt man absolut nichts an, sie sind völlig gesund ausser der Tatsache, dass sie den CA-Status weiterverererben können! Mit CA-Trägern sollte man unseres Erachtens jedoch nicht weiterzüchten, da sonst die Genkrankheit immer weiter verbreitet wird, aber für eine Haltung als Familien-, Freizeit- oder Sportpferd steht absolut nichts im Wege! Weitere Infos auch unter www.cerebellar-abiotrophy.org
  3. Lavender Foal Syndrome (LFS) auch bekannt unter Coat Color Dilution Lethal ( CCDL). Dieser Defekt trägt diesen Namen, weil er meistens mit einer Aufhellung der Haarspitzen oder des gesamten Haares des betroffenen Fohlens einhergeht. Die meisten Fohlen sind nach der Geburt nicht in der Lage aufzustehen, haben epileptische Anfälle und werden gewöhnlich schon wenige Stunden nach der Geburt euthanasiert. Nach neuesten Meldungen gibt es einen DNA Test , der nach Markern sucht.
  4. Occipital Atlanto-Axial Malformation (OAAM) Bei diesem Defekt *verschmelzen* die Wirbel der Halswirbelsäule im Nacken und an der Schädelbasis. Die Symptome reichen von leichten Koordinationsstörungen bis hin zu Lähmungen der Vorder-und Hintergliedmassen. Manche Fohlen sind nicht in der Lage zum Säugen aufzustehen, bei manchen wird der Defekt erst nach einigen Wochen erkannt. Diese Krankheit ist die einzige die Halswirbelsäule betreffende, die bei Pferden innerhalb des ersten Lebensmonats auftritt. Eine Röntgenuntersuchung ermöglicht eine zweifelsfreie Diagnose. Es gibt keinen Gentest für diesen Defekt und seine Vererbung ist bisher weitgehend unerforscht.
  5. Equine juvenile Epilepsie Dieser Defekt ist im Allgemeinen nicht tödlich. Normalerweise *verwächst* sich die Erkrankung zwischen dem 12. und 18. Monat. Betroffene Fohlen können erste Zeichen der Krankheit irgendwann zwischen Geburt und sechs Monaten danach zeigen. Die Symptome können, falls nötig, mit traditionellen Medikamenten gegen Epilepsie behandelt werden. Obwohl der Defekt bereits seit 1985 untersucht wird, ist seine Vererbung weiterhin unklar. Einige Forscher gehen davon aus, dass der Defekt in irgendeinerweise mit LFS in Verbindung steht, da beide Defekte in verwandten Blutlinien anzutreffen sind und manche Pferde Fohlen mit beiden Gendefekten gezeugt haben.
  6. Luftsacktympanie (englisch Guttural Pouch Tympany, kurz GPT genannt) Dieser Defekt manifestiert sich bei Fohlen irgendwann im ersten Lebensjahr und kommt öfter bei Stutfohlen als bei Hengstfohlen vor. Es besteht der Verdacht, dass dieser Defekt genetisch (wahrscheinlich durch mehrere Gene) hervorgerufen wird. Ueber seine Vererbung ist jedoch noch wenig bekannt. Er bewirkt, dass die Rachenöffnung der Eustachischen Röhre wie eine Einbahnstrasse wirkt. Luft kann eindringen, aber nicht mehr entweichen. Der betroffene Kehlsack wird aufgebläht und es zeigt siche eine charakteristische schmerzlose Schwellung. Stark beeinträchtigte Pferde haben Atemgeräusche. Eine Behandlung erfolgt chirurgisch und erfolgreich behandelte Pferde führen ein vollkommen normales Leben.
 
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